ARCHIV

FÜR

NATURGESCHICHTE.

GEGRÜNDET VON A. F. A. WIEGMANN.

IN VERBINDUNG MIT

PROF. DR. GRISEBACH IN GÖTTINGEN, PROF. von SIE= BOLD IN ERLANGEN, DR. TROSCHEL IN BERLIN, PROF. A. WAGNER IN MÜNCHEN UND PROF. RUD. WAGNER

IN GÖTTINGEN, HERAUSGEGEBEN

voN

Dr. W. F. ERICHSON,

PROFESSOR AN DER FRIEDRICH- WILHELMS-UNIVERSITÄT ZU BERLIN.

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NEUNTER JAHRGANG.

Erster Band.

BERLIN 1843. IN, DER NICOLAU’SCHEN BUCHHANDLUNG.

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Inhalt des ersten Bandes.

Seite, Zoologie.

Bericht über die neuesten Leistungen von Lund bezüglich der gegenwärtigen wie der ausgestorbenen Säugthierfauna Brasiliens. Im Auszuge mitgetheilt und mit einigen Bemerkungen versehen von A. Wagner . . . . 347 Beschreibung einer zur Gattung Tiprapiera gehörigen Fiedermane, Von H. Rasch. Aus dem Nyt Magazin for Naturvidenskaberne (Bd.IV. Hft.1. Christiania 1843) im Auszuge übersetzt und mit Bemerkungen begleitet von A. Wagner . 0% %1801. Diagnosen neuer Artenbrasilischer Handflügler. Von Dr. A.W agner 365 Bemerkungen über die Artrechte der antediluvianischen Höhlen- bären. Von Prof. A. Wagner in München e Ba Beobachtungen über die Brunst-, Trag- und Setzzeit des gemei- nen Landbären (Ursus arctos) u.s.w. Von Stan. Ritter v. Siemuszowa-Pietruski > a 5) Bemerkungen über die drei Arten Mastodon und die drei Arten Tetracaulodon des Hrn. Isaac Hays. Von J. J. Kaup. . .16 Anatomische Untersuchungen über das javanische Moschusthier. Von W. v. Rapp, Prof. in Tübingen. (Hierzu Taf.l.) . . 43 Diagnosen einiger neuer peruan. Vögel. Von Dr. J. J.v. Tschudi 385 Beiträge zur Kenntniss der natürlichen Familien der Fische. Von

Joh. Müller. . . 292 Nachträge zur Abhandlung Hr his: natürlichen Familien der Fi- sche. Von Demselben . . ....881

Beitrag zur Insectenfauna von Angola, in besonderer Beziehung zur Verbreitung der Insecten in Africa. Vom Herausgeber . 199

Zur Naturgeschichte der Mantis carolina. Aus einem Schreiben des Hrn. Chr. Zimmermann mitgetheilt vom Herausgeber . 390

Beschreibung einer auffallenden an Süsswasserschwämmen leben- den Larve. Von Prof. Ed. Grube, (Hierzu Taf.X.) . .331

Über Strepsiptera. Von Prof. c. Th. v. Siebold in Erlangen.

(Hierzu Taf. Vl.) . { . 137 Über die Neapolitanischen Pycnogoniden. Von Dr. A. Philippi.

(Hierzu Taf. IX. F.1—3.) . . . 175 Fernere Beobachtungen über die Copepoden des Mittelmeers. Von

Dr. A. Philippi. (Hierzu Taf. 11]. u. IV.) en . 54

Seite, Über das Geschlechtssystem und über die Harn bereitenden Or- gane einiger Zwitterschnecken. Von Dr. Alexander Paasch.

(Hierzu Taf. V.) . S 71 Beiträge zur Kenntniss deutscher enden Von Dr. Wer. ner Hoffmeister. (Hierzu Taf. IX. F.I.—VIM.) . ; . 183 Neue Beiträge zur Kenntniss der Asteriden. Von Dr. J. Müller und Dr. F, H. Troschel .. B ir} 413 Neue Beiträge zur Kenntniss der Arten der Oatmsinlen. io So Müller . x 4 Über die beweglichen Fäden, i in den Yonckaubanien der Gepha- lopoden. Von Prof. Erdl. (Hierzu Taf. VL). 3 R . 162

Kurze Betrachtung über die Abhandlung, betitelt: ‚‚Die'Grund- ' formen der Infusorien in den Heilquellen, ‘nebst allgemeinen Bemerkungen über die Entwiekelung derselben von Dr. S.'F

"Stiebel. Mit einer Abbildung. Frankfurt am Main: ‘Verlag von Carl Jügel. 1841. Quart. 22 Seiten. Von’ Dr. Werneck. (Hierzu Taf. bee ? r 1.3 09705

Einige Bemerkungen zum vorstehiöigeh Aufsatz. von RES 4111

Botanik. Übersicht der Flora der azorischen Inseln. Von Dr. ae, Seubert und C. Hochstetter. (Hierzu Taf. Ko) ze, 5 1

Beobachtungen über das Wachsthum der Vegetationsorgane, in Bezug auf Systematik. Von A. Grisebach. Erster Abschnitt, 267

Verehrdens Bemerkungen über, einige eryptogamische Gew ächse.. Von Dr. Hermann Karsten. (Hierzu Taf.X1)

Berichtigungen.

S. 277. 2. 17. statt vermischen” lies „verwischen” - 283. ,- 1. - „der Zeit noch” lies „der Zeit nach”

13 / Tal

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Übersicht der Flora der azorischen Inseln ')

Dr, Mz. Seubert und €. Hochstetter.

si Hierzu Taf. I. r

ch allen über den weiten Raum des atlantischen Oceans zerstreuten Inseln und Inselgruppen ist uns die Gruppe der Canarien nebst dem naheliegenden Madeira in naturhistori- scher, namentlich in botanischer Hinsicht, am Genauesten be- kannt. Da diese Inseln den nach allen Welttheilen segelnden Schiffen als Sammelplatz und Erfrischungshafen zu dienen pfle- gen, so sind sie oft von reisenden Naturforschern, deren Reihe mit den Coryphäen der Wissenschaft beginnt, besucht und be- schrieben worden, so dass wir gegenwärtig ihre natürliche Be- schaffenheit genauer als die mancher europäischen Länder ken- nen. Zuerst theilte Alexander von Humboldt in seinem klassischen Reisewerke eine grosse Anzahl der schätzbarsten, während seines Aufenthalts auf Teneriffa angestellten Beobach- tungen mit, Später gab Leopold von Buch ?) als Frucht seines längern Verweilens auf den „glücklichen Inseln“ seine treffliche Beschreibung derselben heraus, worin er mit Benutzung

’) Im Jahre 1838 machte mein Freund C. Hochstetter, der Sohn des rühmlichst bekannten Vorstands des Württembergischen Reise- vereins, eine botanische Reise nach den azorischen Inseln. . Die auf derselben gesammelten Pflanzen wurden bald nach seiner Zurück- kunft als mehr oder minder vollständige portugiesisch-azorische Her- barien ausgegeben. Gegenwärtiger Arbeit liegen die während jener Reise gemachten Aufzeichnungen und mündliche Mittheilungen meines werthen Freundes zu Grunde, dem ich somit das ganze Material zu dieser pflanzengeographischen Skizze der Azoren verdanke.

Dr. Moritz Seubert. 2) Physikalische Beschreibung der canarischen Inseln. Berlin 1825. Archiv f, Naturgesch, IX, Jahrg. 1, Bd, 1

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der Arbeiten seines Begleiters, des der Wissenschaft zu früh entrissenen Botanikers Chr. Smith, eine meisterhafte „Über- sicht der Flora der canarischen Inseln“ ') liefert. In neuester Zeit geben uns B. Webb und Berthelot?) in ihrem noch nicht vollendeten Prachtwerk °) eine vollständige und bis ins Einzelne erschöpfende Darstellung der dortigen Vegetation. Auch das naheliegende Madeira nebst Porto Santo und ihre in- teressante Pflanzenwelt fanden zahlreiche Bearbeiter: Raddi, *) Kuhl, 5) Bowdich, *) Holl, ?) Lowe. ®) Dagegen war uns die beträchtlich näher gelegene azorische Inselgruppe bis- her in botanischer Hinsicht fast gänzlich unbekannt; die we- nigen Beschreibungen, °) die wir von diesen selten und nur gleichsam zufällig besuchten Inseln besitzen, geben uns in die- sem Punkt keine Aufklärung; nur ein Botaniker hatte die Azoren im Vorbeireisen flüchtig berührt Masson ohne übrigens von dem Beobachteten genügende Nachricht zu geben. Es ist aber eine genaue Kenntniss der Flora der Azoren, na- mentlich zur Beantwortung der für die Pflanzengeographie so interessanten Frage wünschenswerth, inwiefern nämlich die- selbe ein Verbindungsglied zwischen der höchst eigenthüm- lichen Flora der canarischen Inseln und 'der südeuropäischen bilde. Darum übergeben wir hiermit unsere Angaben über die Vegetation der azorischen Inselgruppe dem botanischen Pu-

1) Auch in den Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften zu Berlin. 1816-18. p. 337 384. 2) Berthelot in Nova Acta Acad. caes. nat. Cur. Tom. XI. 2 p- 773 786 und Tom. XIV. 2. p. 943 952. 3) B. Webb et Berthelot Histoire naturelle des iles cana- riennes. Paris seit 1833. 4) Breve osservazione sull’ isola di Madera. Firenze. 1821. 5) In botan. Zeitung. 1821. I. p. 225 —232. ©) Excursion to Madeira and Porto Santo. London 1825, ?) In botan. Zeitung. 1830. I. p. 369 392. ®) Primitiae faunae et florae Maderae et Portus Sancti etc. Cambr. 1831. 9) Diese sind: Thom. Ashe History of the Azores, 1813. J. Webster a description of the Island of St. Michael etc. Boston 1821. Capt. Boid a description of the Azores or western Islands. London 1835.

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blikum, obgleich sie als Resultate eines nur dreimonatlichen Aufenthalts unter keineswegs günstigen Umständen keinen An- spruch auf Vollständigkeit machen können. Bei der Bearbei- tung und Anordnung unsres freilich durch Ungunst der Ver- hältnisse hie und da lückenhaften Materials hat uns v. Buchs meisterhafte Darstellung der allgemeinen Vegetationsverhält- nisse auf den Canarien zum Vorbilde und Anhaltspunkte ge- dient und wir glauben so einen sichern und zuverlässigen Führer auf dem noch schwankenden Boden der jungen aber vielversprechenden Pflanzengeographie gewählt zu haben.

Die Azoren, Terceira’s (nach der Hauptinsel so genannt) oder Western Islands der Engländer, liegen zwischen 36°, 59’ und 39°, 44’ nördl. Breite und zwischen 25°, 10' und 31°, 7' westl. Länge von Greenwich. Sie erstrecken sich in einer zweimal unterbrochenen Reihe von S.O. nach N. W. in fol- gender Ordnung: Sta, Maria, St. Miguel Terceira, Graciosa, St.G@eorge, Fayal, Pico— Flores, Corvo, Sie liegen nach obiger Angabe in gleicher Breite mit der im Mittel 900 Seemeilen entfernten portugiesischen Küste zwischen Lissabon und der Südspitze Portugals, mit welcher die süd- lichste der Inseln, Sta. Maria, auf gleicher Parallele liegt; auf dem in dieser Breite über 2000 Seemeilen entfernten West- ufer des atlandischen Oceans entspricht ihnen der Landstrich zwischen New-York und Philadelphia.

Ihr Clima scheint nach den mangelhaften Nachrichten, die wir darüber besitzen, dem der unter gleicher Parallele gele- genen Länder Süd-Europa’s sehr ähnlich zu sein; es stimmt ziemlich mit dem des südlichen Portugals, noch mehr aber mit dem der Insel Sieilien, die sich überhaupt in gar manchen Beziehungen mit den Azoren vergleichen lässt. Wie dort ist ‚der wärmste Monat der August mit einer mittleren Tempera- tur von + 19° R.; der kälteste dagegen mit +8° R. mittle- rer Temperatur ist hier der Januar, dort der Februar; daraus ergiebt sich als mittlere Jahreswärme für beide Orte + 131 R., obgleich die von Sieilien, wahrscheinlich wegen der dasselbe überall umgebenden Ländermassen und seiner eigenen Aus- dehnung, namentlich im Innern (die obige Angabe bezieht sich

4%

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auf Palermo) etwas höher zu sein scheint. Auffallend ist aber die Differenz der mittleren Jahreswärme der Azoren und der nur wenig südlich gelegenen Insel Madeira, letztere beträgt nach Schouw -# 15,8°, was sich nur ‚aus der Lage gegen Afrika erklären lässt, dessen glühendheisse Athmosphäre von den im Sommer herrschenden Ost- und Nordost-Passaten über diese Insel hinweggeführt wird. Wie auf allen Inseln ist die Luftwärme auf den Azoren nur geringen Schwankungen un- terworfen, da durch die rasche Ausgleichung der Temperatu- ren in der durch rhythmisch abwechselnde Land- und See- winde stets bewegten Athmosphäre die Extreme von Hitze und Kälte vermieden werden. Die Jahreszeiten sind weniger deut- lich als bei uns geschieden; vom Januar an steigt die Tempe- ratur, bis sie im August ihren Culminationspunkt erreicht hat, von wo sie dann wieder stufenweise herabsinkt.

Das Clima ist im Allgemeinen ziemlich feucht, und na- mentlich die noch zum grössern Theil mit Wald bedeckten Inseln, wie Flores, sind öfter in Nebel, die Berggipfel fast aller häufig in Wolken gehüllt. Daher sind sie denn auch quellenreich und ihre Thäler meist durch beträchtliche Bäche reichlich bewässert, so namentlich auf St, Miguel das Valle das Furnas und auf dem waldreichen Flores das pittoreske Thal der Ribeira do Cruz, deren Zuflüsse von -den Abhängen in malerischen Cascaden herabfallen. Man hat daher auch bis jetzt auf den Azoren von dem Aushauen der seit ihrer Urbar- machung erheblich gelichteten Wälder keine Zunahme der Trockenheit verspürt, wie dies auf den Canarien, und im höch- sten Grad auf der Capverd’schen Insel St. Jago der Fall war, wo die unmittelbare Nähe Afrika’s jenen nachtheiligen Erfolg beschleunigt haben mag.

Auf den Azoren dauert die nasse Jahreszeit, während welcher häufige Regen fallen und zwar manchmal mit sol- cher Gewalt, dass sie durch Wegspülen der fruchtbaren -Erde und Entblössung des nackten Felsens der Vegetation wesent- lichen Schaden thun vom December bis März. Combinirt man damit den oben angegebenen Gang der Jahrestemperatur, so erhält man die Analoga unserer Jahreszeiten und bei Ver- gleichung mit denselben einen fast fünfmonatlichen Sommer und einen nur einmonatlichen Winter. Während dieses herr-

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schen sehr heftige Winde, wie sie auch oft während der wär- mern Jahreszeit, von Regen begleitet, eintreten und nicht sel- ten die Communication zwischen den einzelnen Inseln be- trächtlich erschweren.

Die ganze Gruppe dieser Eilande ist vulkanischen Ur- 'sprungs und dieselben Kräfte, welche sie dereinst aus den Tiefen des Oceans emporhoben (und zwar, wie ihre reihen- weise Anordnung vermuthen lässt, über einer grossen Spalte des Meeresbodens), dieselben vulkanischen Kräfte zeigen ihr Fortwirken bis in die neueste Zeit, theils: durch Ausbrüche aus manchen die Inseln krönenden Cratern (namentlich dem Vulcan von Pico), theils durch Bildung neuer, nicht sel- ten submariner, welche dann als ephemere Inselchen aus dem Meere auftauchten, bald nach der Eruption aber wieder spurlos verschwanden. Das Hauptgestein sämmtlicher Inseln ist Trachyt, mannichfaltig wechselnd mit Basalten und vulkanischen Pro- dueten neueren und neuesten Ursprungs, ‘in verschiedenen Graden der Verwitterung und Alteration begriffen. Nur auf Sta. Maria finden sich beträchtliche, Versteinerungen führende, ebenfalls durch‘ vulkanische Kräfte gehobene Kalkschichten. Auf Fayal ist ein ausgezeichneter Erhebungscrater mit trachy- tischen Wänden; auf St. Miguel finden sich 3 dergleichen, de- ren Ränder über 3000’ hoch ansteigen, und zum grossen Theil aus Rapilli und Bimssteinen oe Sie sind zum Theil mit Seen erfüllt. ö

Alle diese Inseln sind, wie sich schon aus ihrer. Entste- hungsart vermuthen lässt, ‘beträchtlich ‚hoch, am bedeutend- sten Pico, ‘dessen Vulkan nach Ferrer 7300’ erreicht. Der Schnee bleibt auf demselben, freilich nur auf der höchsten Spitze, bis in’den Juni, an geschützten Stellen noch länger, liegen. Bei Besteigung des Berges, den 18. Juli, 1838, zeigte . das Thermometer auf dem (in Wolken gehüllten) Gipfel um zehn Uhr Vormittags + R., während es zur nämlichen Zeit in Villa Magdalena am Fuss des Berges auf + 20° R. stand.

Die im Bisherigen gegebene Darstellung der hauptsäch- lichsten die Vegetation bedingenden Momente zeigt uns in den Hauptpunkten günstige Verhältnisse für den Pflanzenwuchs, nämlich ein warmes, ziemlich gleichförmiges Clima und eine reichliche Bewässerung des aus leicht verwitternden trachyti-

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schen 'Gesteinen bestehenden, bei seiner dunkeln Farbe sich schnell erwärmenden Bodens. Dagegen wirken die vulkani- schen 'Catastrophen meistens in sehr grossartigem Maassstabe zerstörend auf die umgebende Pflanzenwelt, und die Producte derselben, namentlich Laven, sind erst nach langdauernder Alteration durch die Athmosphärilien fähig, Pflanzen zu er: nähren. Daher jener für vulkanische Gegenden charakteristi- sche grelle Contrast dicht nebeneinander liegender reichlich bewachsener und gänzlich verödeter, pflanzenleerer Gegenden, welcher den Kampf zwischen der zeitweise plötzlich zerstö- rend auftretenden anorganischen und. der stetig schaffenden organischen Kraft bezeichnet, -und sich auch auf den Azoren bemerklich macht. Reich und üppig ist die Vegetation nur an wenigen Orten zu nennen, wo zu den oben angeführten begünstigenden Umständen auch noch .eine vor den: heftigen Winden geschützte Lage hinzukommt. Zur Abwehr dieser, besonders dem Aufkommen der Bäume feindlichen Stürme und Winde sind denn auch alle Anpflanzungen ‚mit hohen Mauern umgeben, selbst die Weinberge sind in: kleinere Parzellen getheilt und diese einzeln ummauert. In. den’ Orangenpflan- zungen stehen zum Schutze der Fruchtbäume zwischen‘ den- selben hohe Fayalbäume: (Myrica Faya). Natürlich hindern jene heftigen Winde an den einmal von Wald entblössten'Stel- len das Wiederaufkommen desselben und so‘ ist ‚denn’iauch eine, wenn auch allmählige, doch stetige Verminderung der Holzproduction zu bemerken, Überhaupt mag sich. die ur- sprüngliche Physiognomie dieser Inseln, | so weit sie vonder Vegetation abhängt, seit ihrer Entdeckung und Urbarmachung zur Zeit Heinrich des Seefahrers wesentlich verändert haben; denn jetzt sind sie ziemlich wohl angebaut, und die nur 52 Quadratmeilen Flächenraum haltende Gruppe ernährt 203,000 Einwohner, also etwa 3900 auf die Quadratmeile. Daher musste auch hier eine Alteration und Verdrängung der einhei- mischen Flora durch die eingeführte stattfinden, vielleicht noch in höherem Grade als auf den Canarien, für die es Leopold v. Buch unwiderleglich dargethan hat. Im Einzelnen’ lässt sich dieses freilich aus dem einfachen Grunde nicht nachweisen, weil es uns durchaus an Nachrichten über die ursprüngliche Flora der Azoren mangelt, und so mag denn manches Pflänz-

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chen ohne die botanische Nothtaufe aus der Welt gegangen sein. Da nun, bei noch höherer Cultur, deren das Land in grossem Maasse fähig ist, das. allmählige Erlöschen des ur- sprünglichen Vegetationscharakters zu befürchten steht, so wa- ren wir bemüht, ein möglichst treues Bild der ursprünglichen Flora, so weit dieses jetzt noch möglich ist, zu liefern. Wir haben daher in dem folgenden Verzeichniss der auf den Azo- ren beobachteten Pflanzen, nach v. Buch’s Vorgang, das wahr- scheinlich Eingeführte besonders bezeichnet; voran steht eine kurze Aufzählung der hauptsächlichsten im Grossen kultivir- ten Pflanzen, um so auch eine Anschauung der ändernden Einwirkung der Cultur zu geben.

I. Cultivirte Pflanzen,

4. Der Weinstock. Wein ist das Hauptprodukt dieser Inseln; am meisten wird auf Pico gebaut, wo die Weinberge zum Theil mit grosser Mühe in den Felsen angelegt und erst durch hinaufgetragene Erde fruchtbar gemacht werden muss- ten. Ein bedeutender Theil des Produkts wird im Lande selbst consumirt; Einiges kommt nach Europa als „‚Madeira,“ haupt- sächlich aber geht viel nach Amerika unter dem Namen ‚‚Fayal- wein,“ so genannt, weil der Hafen von Horta auf der Insel Fayal, der gewöhnlich schlechtweg Fayal heisst, als Ausfuhr- hafen dafür dient.

2. Orangen. Sie sind von besonderer Güte, so na- mentlich die von Fayal und St. Miguel, ‘und werden in be- trächtlicher Menge nach England ausgeführt.

3. Andere Südfrüchte: Citronen, Feigen, Maulbee- ren, Castanien u. s.w. gedeihen vortrefllich; es kommen aber nur Feigen zur Ausfuhr. Der Ölbaum wird einzig auf Ter- ceira gepflanzt.

4. Mays oder türkischer Weizen. Davon wird auch viel exportirt.

5. Von Cerealien baut man Weizen und Gerste. Ausfuhr davon nach Portugal, früher auch in beträchtlicher Quantität nach Brasilien.

6. Kartoffeln sind von vorzüglicher Güte und werden in grosser Menge gewonnen.

Von Nutzpflanzen der warmen Zone finden sich haupt- sächlich: Bananen (Musa paradisiaca). Ananas (Bromelia Ananas). Bataten (Convolvulus Batatas). Yams (Dioscorea sativa).

IL. Eingewanderte Pflanzen,

Darunter verstehen wir solche, welche, aus andern Län- dern durch Vermittelung des Menschen hieher gebracht, sich ohne sein Zuthun und seine Pflege fortpflanzen und in der Flora erhalten. Sie sind entweder verwildert, d.h. absichtlich eingebracht und dann im Freien sich selbständig fortpflanzend. Z.B. Anethum Foeniculum, Apium Petroselinum und viele Wiesengräser; oder sie sind eingeschleppt, d. h. mit Cultur- pflanzen zufällig eingeführt, unter denen sie, wie bei uns, als Unkräuter wachsen. Z. B. Chrysanthemum segetum, Veronica arvensis, Sonchus oleraceus u.s. w. Sämmtliche Pflanzen, die wir auf eine oder die andere Weise eingewandert glauben, ob- gleich sich mit Gewissheit darüber nichts bestimmen: lässt, haben wir in dem folgenden Verzeichniss mit einem * bezeichnet.

II. Einheimische Pflanzen,

Alle im nachstehenden Verzeichniss nicht mit dem *# be- zeichneten sind 'einheimisch.

Die mit gesperrter Schrift gedruckten sind den Azoren eigenthümlich; sie sind beinahe 'sämmtlich von ©. Hochstetter entdeckt. ')

Um eine Andeutung der Verbreitung der aufgezählten Species zu geben, haben wir in der folgenden Aufzählung nach v. Buch’s Vorgang das Vorkommen derselben in den umliegenden Floren durch die hinter die einzelnen Pflanzen- namen gesetzten Anfangsbuchstaben der Länder bezeichnet:

nE. bedeutet: Europa, nördlich der Alpen. Ei Europa, südl. der Alpen (mittelländische Flora).

1) Die Diagnosen der 23, von Hochstetter Vater benannten, neuen Arten gedenken wir mit Nächstem, wo möglich von ausführlichen Be- schreibungen begleitet, und durch Abbildungen erläutert, mitzutheilen.

P. bedeutet: Portugal. Mad. Madeira. Can.

Am. Amerika. Afr. —_ Afrika.

Canarische Inseln.

n

Verzeichniss der auf den azorischen Inseln wild- wachsenden Pflanzen.

20 Blechnum boreale, nE. P,

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Lycopodiaceae. (3.) Lyeopodium cernuum. Am. denticulatum. P. Can. subereetumLowe Mad.

Filices. (28.) Polypodium vulgare. nE. Aspidium fragile. E.

angulare. E.

Allantodia axillaris Kaulf. Mad. Can.

axillaris var. azorica Hochst.

umbrosa R. Br. Mad. Can.

Nephrodium Foenisecii Lowe. Mad.

Woodwardia radicans. P. Mad, Can.

Asplenium monanthemum, Mad. Amer.

Triehomanes. E. Mad.

anceps. Mad.

marimum. E.P. Mad. Can.

Adiantum nigrum. E. P. Mad, Can.

palmatum. P. Can.

Acrostichum squamosum. Mad. Am.

Scolopendrium offieinarum. E. Mad.

Can. Grammitis leptophylla. P. Mad, Can. Pteris aquilina. nE.P.Mad. arguta. P. Mad. Can. Adiantum africanum. Afr, maderense Lowe. Mad. Diksonia Culeita. „Cabel- linho.“ 2) Mad. Trichomanes hibernieum. nE.

speciosum. Can,

Hymenophyll. tunbridgense. E. Mad.

Ophioglossum lusitanicum. P. Can.

Osmunda regalis. nE.

Najades. (2.)

Potamogeton .natans. E. Mad. pectinatum. E. 4Aroideue. (2.) Arum italicum. E, Lemna minor. E. Mad. Cyperoide.ae. (17.) Carex stellulata. nE. muricata. nE. P. Mad. Can.

') Dieses von den Einwohnern „Cabellinho“ genannte prachtvolle Farnkraut ist in den Bergschluchten häufig. Auf Madeira, wo man den das Rhizom einhüllenden glänzenden Filz zum Ausstopfen der Bettdecken gebraucht, ist es fast ganz ausgerottet.

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Carex flava. nE.

myosuroidesLowe. Mad. Guthnikiana Gay.

azorica Gay.

Hochstetteri Gay. rigidifolia Hochst. Vulecani Hochst.

Floresiana Hochst. laevicaulis Hochst. Seirpus Savii Sebast. E.

multicaulis. nE. maritimus. E. Isolepis fluitans. E.

Cyperus badius. E. Tenori Presl, E.

Gramineae. (33.)

Anthoxanthum odoratum. nE. *Panicum sanguinale. nE. P. Can. * Setaria glauca. nE.P. Can. Cynodon Dactylon.— E.P. Can. *Eleusine indica, Ind. orient et occident. *Polypogonmonspeliensis. E.

maritimus var. mutica. E

* Agrostis stolonifera. nE.

Lagurus ovatus.— E.P. Mad.

Deyeuxia azorica

Hochst. caespitosa Hochst.

*Gastridium lendigerum. E. Mad. Can.

*Arundo Donax. E. P. Koeleria phleoides. E. HoleusrigidusHochst. Avena geminiflora

Kunth. hirsuta Roth. E. Can. brevis var. uniflora. E.

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Aira caryophyllea.— E,P. Mad. Can.

Briza minor. E, P.

Briza maxima. E. P.

Poa loliacea Huds. E.

Poa rigida. E. Mad.

*Cynosurus echinatus, E. Mad. Can.

Festuca glauca var. longea- ristata. E.

bromoides. E.

petraea Guthnik.

*Bromus rubens. E. P.

Lolium multilorum. E.

*— perenne. nE.E, P.

*Hordeum murinum.

* Triticum repens.

*_— ceiliatum.

Junceae. (?.)

Juncus maritimus. E. capitatus. nE. bufonius. nE.

acutus. P. Mad. Can. hybridus Brot. P.

luceidus Hochst, LuzulaelegansGuthnik.

Asparagineae, (1.) Smilax tetragona.

Orchideae. (3.)

Serapias cordigera. E. Habenaria spec. 2.

Coniferae, (3). Juniperus Oxycedrus „Ce- dro.‘“ E.P. Mad. Can. Pinus Pinea. E. P. Mad. +? Taxus baccata.!) E.

Myriceae. (1.)

100 Myrica Faya „Fayal.“ P,

Mad. Can.

*) In Gärten; soll nach der Angabe der Einwohner auch im Ge- birge wildwachsen.

Urticeae. (4) Urtica azorica Hochst. rupestris Lowe. Mad.

membranacea. E. urens. nE,E.P. Mad.

Euphorbiaceae. (5.)

Euphorbia diversifolia Pers. E.

Peplis.— E.P. Mad. Can,

Lathyris. —E.P.Mad.Can.

platyphyllos. nE, Can.

*Parietaria offieinalis. E. P. Mad.

Thymeleae. (1.) 110 Daphne Gnidium. E.P. Can.

Laurineae. (2.)

Laurus Canariensis Willd. „Lauro.“ Mad. Can. (— nitida Masson.)

(— Barbusano Cav.)

canariensis var. az0-

rica Hochst.

Polygoneae. (5.) *Polygonum Persicaria.

nE. E. P. Can. maritimum. P, Can. *Rumex Acetosella. .nE. Mad.

aquaticus. E. Mad. *— bucephalophorus. P. Can.

Chenopodeue. (5.)

Phytolacca decandra. E. P. Mad. Salsola Kali, nE. Mad. Can. 120 Chenopodium blitoides. E. ambrosioides. P. Mad. Can, murale. E. Mad.

4

Plantagineue. (5)

Plantago major. nE. Mad, Can.

media. nE. Mad.

lanceolata,— nE. Mad. Can.

Coronopus, E.P, Mad. Can.

Lagopus. P. Can.

azorica Hochst.

Primulaceae. (3.) Lysimachia azorica

Hochst. 130 *Anagallis phoenicea. E. Mad, Can. *— coerulea. E. Can,

Verbenaceae. (1.)

Verbena officinalis. E. P. Mad. Can.

Labiatae, (7.)

Thymus micans Soland. Mad.

Mentha viridis. E. rotundifolia. E. Melissa rotundifolia. E. Origanum ereticum, E. Prunella vulgaris. nE. Stachys arvensis. —E.P. Can.

Rhinanthaceae. (1.)

140 Euphrasia grandiflora Hochst.

Antirrhineae. (9) Veronica officinalis. nE. *— arvensis. nE. Mad, Dabneyi Hochst. Linaria Elatine. nE.P. Can. spuria. E. eirrhosa. E. Antirrhinum Orontium, E. Mad. Can, Scrophularia Scorodonia. E..P. Mad. Disandra africana.— Afr. Can.

Solaneue. (6.)

150 * Datura Strammonium. -— E.

Mad. Can.

Hyoscyamus canariensis. Mad. Can,

Physalis pubescens. Mad. Can. Am.

Solanum Pseudocapsicum.

Mad. *— Lycopersieum, E. *— nigrum var. E. Mad.

Borrugineae. (4.) Heliotropium europaeum. E. P. Mad. Can. Myosotis strieta. nE. Mad. maritima Hochst. Echium vulgare. nE. Mad.

Convolvulaceae. (2.)

Convolyulus sepium. nE. arvensis.— nE. Mad. Can.

Gentianeae. (4.)

Erythraea diffusa Ramond. Centaurium. E.P, Can. Gentiana scilloides. Exacum filiforme. E,

Asclepiade.ue. (1.) Asclepias fruticosa. Afr.

Jasmineae. (1.)

Olea excelsa. „Pao branco.“* Mad. Can.

Myrsineae. (1.)

Myrsine retusa. „Tamu- cho.“

Tlieine.ae. (1.) Ilex Perado. Mad. Can.

Ericeue. (5.)

Erica azorica Hochst. „Urze. _

Menziesia Daboezi. nE.

Vacceinium padifolium. „Uva di Serra.“

Campanulaceae. (1.)

Wahlenbergia Erinus. E. Mad.

Compositae. (34.) Hypochaeris glabra. nE. Mad. A Thrincia nudicaulis Lowe. Mad, Crepis polymorpha. nE. Tolpis fruticosa Schrank.

180 crinita Lowe. Mad.

nobilis Hochst. MicroderisfiliiHochst. umbellata.

Helminthia echioides, E. Mad, Can.

Urospermum picroides. E.

*Sonchus oleraceus, nE. Mad.

*Cichorium Intybus. nE. Mad.

Cnicus lanceolatus. nE.

Carduus pyenocephalus., E. Mad.

190 Centaurea melitensis. E. P. Can. Galactites tomentosa. E. P. Mad. Can.

Gnaphalium luteo-album. E. Mad.

germanicum. E.P. Can.

gallicum, E.

pensylvanicum, Amer.

Conyza ambigua. E.

Bidens leucantha. Ind. oceid. Mad.

Solidago azorica Hochst.

Bellis azorica Hochst.

170 Erica vulgaris. nE. 200 Senecio malvaefolius DC. fucata Wendl. E. Mad. Can.

Senecio elegans. Africa,

vulgaris. E.

Anthemis aurea. „Marseille.“ E

Cotula. E. Mad.

Chrysanthemum segetum. E. Mad.

coronarium. P. Can.

Myconi. E. Mad.

pinnatifidum. Mad. Can,

*Calendula arvensis. —E. Mad.

Dipsaceae. (1.) 210 Scabiosa nitens DC.

Rubiaceae. (5.)

Galium Mollugo.— nE. Mad.

Aparine. E. P. Mad, Can.

anglicum, nE. E.P. Can.

Rubia splendens Lk. P.

Sherardia arvensis. E. P. Mad.

Caprifoliaceae. (1.) Viburnum Tinus. E.

Umbellifer.ae, (10.)_

Sanicula azoricaGuth- nik. Heliosciadium repens. E. Can. *Apium Petroselinum. E. Can. 220 * Anethum Foeniculum. E, Mad. Kundmannia sicula. E, spec. * Caucalis arvensis. E.Can. spec. Ammi spec. Sison spee.

Araliace.ue. (1.) Hedera Helix, E. Mad,

13

Ranunculaceae. (7.)

Ranunculus cortusaefolius. Can.

parviflorus. E,

230 *— muricatus. P. Can.

trilobus. E. Can.

repens. E. Mad.

*Delphinium Consolida, . E. Mad.

*Nigella arvensis. E.

Papaveraceue. (1.) Chelidonium majus, —E,Mag.

Fumariaceae. (2.)

Fumaria capreolata. E, officinalis. E. Mad.

Cruciferae, (7:) Matthiola annua. E, Sinapis nigra. E,

240 Nasturtium offcinale. E. Mad. noya spec. Cardamine Caldeira- rum Guthnik. Senebiera pinnatifida, E. Lepidium virginicum. Am.

Resedaceae. (1)

Reseda macrosperma Rch- heh. Mad.

Hypericineae. (3.) Hypericum foliosum Aiton. humifusum. nE. Mad. perforatum. nE. Mad.

Geraniaceae. (3.) *Geranium disseetum. E, P. Mad. Can. 250 Robertsianum. nE. Mad. Erodium malacoides. P, Mad. Can.

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Oxalideue. (1.)

*Oxalis cornieulata. E.P. Mad. Can.

Malvaceae. (3.)

Sida canariensis. Mad. Can. Cap. Verd. Lavatera sylvestris. P.

*Malya rotundifolia. E,P.

Mad. Can.

Violarieuae. (2.) Viola spec. 2.

Frankeniaceue. (2.)

Frankenia laevis var. viridis. B.P. pulverulenta, E.

Polygaleae. (1.) Polygala vulgaris. nE,

Rutaceae. (1.)

260 Ruta bracteosa DC. E.

Sileneae. (2.)

Silene lusitanica. P, inflata. E. P. Mad. Can.

Alsineae. (6.)

Cerastium Hochst.

*— vulgatum. E. P. Mad, Can.

*Sagina procumbens. E. Mad. Can.

Alsine media. E.P. Mad. Can.

Arenaria macrorhiza Reg.

marina. E. P, Can.

azoricum

Illecebreae, (2,)

Illecebrum .vertieillatum. E. Mad.

270 Polycarpon tetraphyllum.

D. Mad. Can.

Crassulaceue, (2)

Tillaea muscosa. E. Umbilieus pendulinus. E. P. Mad. Can.

Callitrichineae. (1.) Callitriche verna. nE.

Lythrarieae. (2.) Lythrum hyssopifolia. E, Grefferi. E.

Rosaceae. (f) Rubus grandiflorus Lowe, Mad. L fruticosus. nE. E. Agrimonia Eupatorium. —nE. Poterium Sanguisorba. E.

280 Potentilla anserina. nE. E.

reptans. nE. Fragaria vesca. E.

Rhamneae. (1.) Rhamnus latifolia.

Leguminosae. (25,) Spartium scoparium. E. Mad. Can. junceum. E. Lathyrus sativus, E. Mad. tingitanus. Afr. bor, Aphaca. E.P. Mad.Can. . Medicago lupulina. E.Mad.

290 pentacycla DC. E.

*— lappacea, E. P.

*— Melilotus paryiflorus. P. Can. 2

Vieia angustifolia, nE.

gracilis. E.

albicans Lowe. Mad.

Lotus hispidus, E.

angustissimus. E. P.

cornieulatus. —nE.E.Mad,

major. nE.

300 Ornithopus ebracteatus,

E.P.

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Ornithopus ‚roseus. E. Trifolium scabrum. E, *Trifolium angustifolium. ligusticum. E. P, E. P, Mad. Can. lappaceum. E. *— repens. nE. E. Mad. 308 glomeratum. E. * procumbens. E,P. Mad. Can.

Die am zahlreichsten repräsentirten Familien sind: die Compositen mit 34, die Gräser mit 33, die Farn mit 31, die Schmetterlingsblüthigen mit 25 und die Oyperaceen mit 17 Species. Die Compositen haben die einzige den Azoren aus- schliesslich eigene Gattung: Microderis, und fünf endemische Arten aufzuweisen. Am auffallendsten herrschen die Farnkräu- ter vor, welche der Artenzahl nach -'; der ganzen Flora aus- machen; nicht minder reich sind sie an Zahl der Individuen, und, da mehrere grosse und ansehnliche Species darunter sind, wie die schöne, ausser den Azoren nur noch auf Madeira vor- kommende Diksonia Culeita, so bedingen sie, besonders in den höhern Thälern und an den Bergabhängen wesentlich den phy- siognomischen Charakter der Landschaft. Auch hier also zeigt sich, wie auf den Canarien, den Antillen, auf Sta. Catharina, den Sandwichsinseln und anderwärts das Klima hoher, unter geringen Breiten gelegener Inseln einer reichen und eigen- thümlichen Farnflora besonders günstig. Die Azoren, Madeira und die Canarien zusammengenommen besitzen 12 ihnen ei- genthümliche Farnspecies. Von der angegebenen Zahl der Gräser sind etwa ein Dutzend, als wahrscheinlich eingeführt, inAbrechnung zu bringen. Wie in dem eigentlich mediterra- neischen Florengebiet ist ihr geselliges Wachsthum, als Wie- senbildung, nicht hervortretend; sehr bemerkenswerth ist aber, dass an den höhern Bergen, namentlich am Kegelberg von Pico, oberhalb der Region der immergrünen Wälder bedeu- tende Strecken nach Art unserer Bergweiden mit Graswuchs (besonders von Anthoxanthum odoratum), überzogen sind, zwi- schen dem, wo sie das zahlreich weidende Vieh verschont hat, manche schöne Pflanzen, wie Serapias cordigera und Anthemis aurea sich finden. In den feuchten Schluchten dieser Region, am Ufer der sie durchströmenden Bäche erscheinen die eigen- thümlich-azorischen Carices, deren sich 8 Species fanden, welche

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zum Theil einen sehr beschränkten Verbreitungsbezirk zu ha- ben scheinen. Carex Vulcani hat sich bis jetzt nur auf dem Kegelberg von Pico und zwar auf dem südlichen Abhang, Ca- rex Floresiana, wie der Name sagt, nur auf der westlichsten der Inseln gefunden.

Die Bäume und grössern Sträucher, welche nächst den Farnkräutern die Physiognomie der Landschaft bestimmen, ge-ı hören sehr verschiedenen Familien an, welche meist nur durch eine Species repräsentirt sind. ‘Es sind hauptsächlich: Laurus canariensis mit der Varietät: azorica Hochst. (Laurineae), Myr- sine retusa (Myrsineae), Olea excelsa (Jasmineae), Myrica Faya (Myriceae), und Juniperus Oxycedrus (Coniferae). Sie sind mit Ausnahme der letzten entweder den Azoren eigenthümlich oder ihr ganzer Verbreitungsbezirk erstreckt sich von den Ca- narien her über Madeira bis zu diesen Inseln; nur Myrica Faya kommt auchin Portugal vor. Ausser den genannten sind als Familien, welche auf den Azoren durch endemische Arten eine gewisse selbstständige Entfaltung zeigen, die Junceen und Alsineen mit 2, die Urticeen, Asparagineen, Primulaceen, An- tirrhineen, Rhinanthaceen, Hyperieineen, Gentianeen, Boragi- neen, Cruciferen und Umbelliferen je mit einer Art zu er- wähnen.

Da die Azoren gleichsam im Berührungspunkte mehrerer Florengebiete liegen, so müssen sich auf ihnen die Grenzen der ‚Verbreitungsbezirke vieler Pflanzen nachweisen lassen. So finden, abgesehen von den ganz allgemein verbreiteten, alle Pflanzen der mittelländischen Flora, welche noch 'auf den Azo- ren vorkommen, (sie bilden beinahe 2 der Gesammtzahl), dort ihren westlichen Gränzpunkt; in höhern Breiten dagegen fin- det bekanntlich eine ganz ausserordentliche Analogie zwischen der Flora des amerikanischen Continents und des europäischen, ja durch identische Arten ein unmittelbarer Zusammenhang der beiderseitigen Vegetation statt. Dass die Azoren ausserhalb dieser Zone liegen, ergiebt sich schon daraus, dass die für dieselbe ganz besonders charakteristische Familie der Amen- taceen ihnen gänzlich abgeht. ‚Die Flora Amerika’s reicht nur mit 7 Arten zu diesen Inseln herüber, von den 5, nämlich: Asplenium monanthemum, Bidens leucantha, Lepidium virgi- nicum, Physalis pubescens und Acrostichum squamosum hier,

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die 2 andern, Lycopodium ‚cernuum und Gnaphalium pensyl- vanicum erst’ in Madeira ihre östliche Grenze zu finden schei- nen. Ebenfalls durch einzelne Repräsentanten sind die eigen- thümlichen Pflanzen des nordwestlichen Europa’s vertreten in den irländischen Arten: Menziesia Daboezi und Trichomanes hibernieum; die nordeuropäische Flora im Allgemeinen tritt auf den höhern Bergen zugleich mit dem Erscheinen der Erica vulgaris hervor, wie wir weiter unten sehen werden. Afrika liefert den Azoren nur 4 Arten. Von der eigenthümlich- ca- narischen Flora ") haben diese Inseln 14 Arten, von denen 3 dem zwischenliegenden: Madeira fehlen. Den Azoren und Ma- deira gemeinschaftliche Arten, die anderwärts fehlen, zählen wir 15. Eigenthümlich-azorische sind es im Ganzen 36.

Inwieweit diese Vertretung der umliegenden Floren in mehr oder minder zahlreichen Repräsentanten aus den allge- meinen Verbreitungsgesetzen der Vegetabilien folge, oder ei- ner Zuführung durch Vermittelung des Menschen und durch physikalische Ursachen, als Winde, Strömungen u. s. w. zuzu- schreiben sei, wagen wir um so weniger zu ‚entscheiden, als zur Beantwortung dieser Frage die speciellste Kenntniss der Standorte -und Verbreitungsbezirke der azorischen Pflanzen nach den einzelnen Inseln erfordert würde. Einestheils ist diese aber, erst nach genauester Durchsuchung der ganzen Gruppe, wie sie bis: jetzt nicht möglich war, zu. erwarten; andrerseits scheint auch..die Differenz in ‚der Vegetation der einzelnen Eilande nicht bedeutend zu. sein. Am abweichend- sten darin mag noch die westlichste Insel Flores sein, welcher bis jetzt Cerastium azoricum ‚‚Carex Floresiana und Mierode- ris umbellata eigenthümlich geblieben sind.

Ehe wir zu den allgemeinern' aus den angeführten That- sachen zu ziehenden Folgerungen und Schlüssen übergehen, wenden wir uns zur Betrachtung der verticalen Verbreitung

») Von den auf den Canarien, Madeira und den Azoren gemein- schaftlich, aber nirgends anderwärts, vorkommenden Arten nahmen wir als eigentliche Heimath die erstgenannte Inselgruppe an. Die Rich- tigkeit dieser Annahme zeigen die wälderbildenden Lorbeeren, welche ihren Centralpunkt offenbar auf den Canarien haben.

Archiv f. Naturgeschichte, IX, Jahrg. 1, Bd, 2

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der azorischen Pflanzen. Da, wie oben angeführt, alle diese Inseln beträchtlich hoch sind, so lassen sich auf ihnen meh- rere in der Temperatur und der Luftfeuchtigkeit und daher auch im Vegetationscharakter deutlich unterschiedene Regio- nen erkennen. Am entwickeltsten sind sie an den Abhängen des höchsten Berges der Gruppe, nämlich des Vulcans von Pico. Von diesem geben wir daher auf der beiliegenden Ta- fel eine ideale Ansicht, auf der die 'einzelnen Höhenregionen nach ihrem Vegetationscharakter unterschieden, und bei jeder die für sie am meisten charakteristischen Pflanzen namentlich aufgeführt sind. Da wir dadurch nur ein allgemeines Bild der verticalen Verbreitung ‘der azorischen Pflanzen zu geben be- absichtigten, so wurden auch solche aufgenommen, die nicht gerade auf dem Vulcan von Pico wachsen, wenn sie nämlich besonders bezeichnend schienen ; aus demselben Grunde möge man auch an unsere Ansicht des Berges keinen zu strengen Maasstab legen. Doch stimmt dieselbe ziemlich mit dem An- blick, den man auf der Überfahrt von Fayal her davon be- kömmt, überein; auch treten bei dieser Betrachtung von der Seeseite, aus einer gewissen Entfernung, die einzelnen ‘im Pflanzenwuchs unterschiedenen Regionen an seinem Abhang deutlich gürtelförmig hervor. Es hat dieser Umstand auch zur Controlle der während der Besteigung gemachten Schätzungen der absoluten Höhe der Regionengränzen, ‘die leider nicht‘ ba- rometrisch gemessen werden "konnten, gedient. Auf unserer Tafel sind die diese Gränzen andeutenden Pflanzen mit einem * bezeichnet. Wir unterscheiden auf dem Vulcan von Pico’ folgende 5 Regionen, deren Analoga sich auch auf den andern Inseln je nach deren Lage und: örtlichen Verhältnissen mehr oder minder deutlich nachweisen lassen, 1. Region der europäischen Oultur oder mediter- raneische, bis zu 1500’; mittlere Temperatur + 134° R. II. Region der Lorbeerwälder oder canarische, von 1500' 2500'. II. Region der Sträucher oder azorische, von 2500° bis 4500. IV. Buschregion, von 4500' 5000. V. Gipfelregion, von 5000'’— 7000.

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I. Die Cultur der europäischen Nutzpflanzen, namentlich aber des Weinstocks, ist gewissermaassen eingeschoben zwi- schen die ursprünglich weiter herab, hie und da selbst bis zum hohen Meeresufer reichende Waldregion, und eine einheimi- sche: Küstenregion. Von dieser letztern unterscheiden wir wieder die Strandvegetation, welche die Azoren mit dem süd- lichen Europa gemein hat. Es sind dieses die von den salini- schen Exhalationen des Meeres abhängigen und daher auch meist an dessen unmittelbare Nähe gebundenen Pflanzen, wie: Salsola Kali, Polygonum maritimum, Arenaria maritima, Fran- kenia pulverulenta. An den vom Meer bespülten Felsen wächst auch die Roccella tincetoria, doch wird sie nicht zur techni- schen Benutzung eingesammelt. Die an diese Strandpflanzen sich unmittelbar anschliessende Küstenvegetation hat einen ganz mediterraneischen Character, namentlich aber hat sie mit Por- tugal Vieles gemein Z. B. Euphorbia diversifolia, Erodium malacoides, Juncus hybridus, Plantago lagopus u. s. w., doch sind auch nicht wenig endemische Arten darunter: Myosotis maritima, Avena geminiflora, Deyeuxia caespitosa und azorica, Juncus lueidus und Arenaria macrorhiza, welche letztere na- mentlich die der Stadt Villa Magdalena auf Pico gegenüber nur wenig über das Meeresniveau hervorragenden Felsen, Ilheos genannt, mit dichtem Rasen überzieht. Auf Flores, wo diese Küstenregion noch in ihrer natürlichen Beschränkung durch die fast bis zum hohen Meeresufer reichenden Wälder ange- troffen wird, zeigt sie an eigenthümlichen Arten: Cerastium azoricum und Mieroderis umbellata. Die hier besonders. häu- fige Solidago azorica in Begleitung von Hypericum foliosum überzieht hier weithin die Küste, und von den fernleuchten- den goldgelben Blüthen Beider soll nach der Meinung Man- cher das Eiland seinen Namen erhalten haben. Die grosse Analogie der Vegetation dieser Küstenregion mit der von Süd- europa mag in hohem Grade die Einwanderung der dortigen Pflanzen begünstigt haben, so dass es um so schwerer wird, die eingeführte Flora von der ursprünglichen zu unterscheiden, als die Cultur hier der freien Naturwirkung nur wenig Raum übrig gelassen. Erwähnenswerth sind noch folgende an den Felsabhängen und sterilen Orten wachsenden characteristischen

Arten: Urtica azorica, Hyoseyamus canariensis, und die auch 2%

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auf Madeira an allen Wegen wuchernde Physalis pubescens (Herschelia edulis Bowd.). Wie bereits erwähnt, nimmt der Anbau der oben angegebenen Culturpflanzen den grössten Theil des ebenen Landes und den Fuss der Gebirge ein. Hier ist denn durch Menschenhand der Physiognomie der Landschaft ein anderer, fremdartiger Stempel aufgedrückt. Die Dattel- palme mahnt an das nördliche Afrika; über die hohen Mauern der Gärten erheben sich die tropischen Formen der Musa und des Drachenbaums (Dracaena Draco).") Es mag wohl wenige Orte geben, wo in den Gärten eine solche Mannichfaltigkeit der Früchte, der Nutz- und Zierpflanzen aller'Zonen sich ver- einigt findet, wie hier; neben unsern nordeuropäischen Obst- arten und den Südfrüchten des wärmern Europas stehen Kaf- fee- und hohe Campherbäume und Zuckerrohr im üppigsten Wuchs. Es wären daher gewiss die Azoren als Acclimatisa- tions-Station für die Gewächse wärmerer Zonen, die an unser europäisches Clima gewöhnt werden sollen, recht sehr zu em- pfehlen.

Gegen die obere Gränze dieser ersten Region erscheint in den Weinbergen unser Rubus frutieosus, gleichsam als Vor- läufer des der Waldregion hier und auf Madeira eigenen Ru- bus grandiflorus. An dieser Waldgränze und in der untern Waldregion selbst, namentlich aber in den Caldeira’s oder Cratereinsenkungen in dieser Höhe wird besonders die Yams- wurzel (Dioscorea sativa) cultivirt und ist da nicht selten im Gebüsch im verwilderten Zustande anzutrefien.

ll. Die Region der Lorbeerwälder bildet auf Pico einen continuirlichen Waldgürtel, dessen untere Gränze je nach der Höhe, zu welcher der Anbau steigt, variirt und aus dem sich der eigentliche Kegel des Vulcans erhebt. An dieser obern, durch das einzelne Vorkommen der seltenen Olea excelsa be- zeichneten Gränze geht er entweder in ein Gebüsch von Ilex Perado, Juniperus Oxycedrus und Myrsine retusa über, oder

*») Auf der Insel Flores steht (in cultivirtem